Ist es Glück? Ist es Pech? Wie mich ein verregneter Urlaub dazu bringt, einen Gang runter zu schalten und zu einer wichtigen Erkenntnis zu gelangen

Eigentlich war unsere Zeit auf Koh Chang ja ganz anders geplant! Wie letztes Jahr in Krabi und Khao Lak wollten wir mit einem Roller die Insel auf eigene Faust erkunden, so viel wie möglich sehen, den Dschungel erleben und wenn dann noch Zeit übrig ist, vielleicht einen Tag am Strand verbringen. So viel wie möglich mitnehmen aus diesen Tagen, denn wer weiß, wann es uns mal wieder in diese Gegend verschlägt. Zum Glück kommen die Dinge aber manchmal auch anders, als man denkt…

Während unserer  Fahrt von Pattaya nach Koh Chang hat es ununterbrochen geregnet und als wir ankamen, gab es schon die ersten Hochwasser-Meldungen für Bangkok. Die Khao San Road steht unter Wasser, Straßen sind überschwemmt und Fotos von Menschen, die bis zu den Knien im Wasser stehen, schwirren durch’s Internet. Glück gehabt, denn wir waren nur einige Tage vorher aus Bangkok abgereist. Trotzdem war nach diesen Nachrichten irgendwie klar, dass wir für die nächsten Tage nicht gerade Traumwetter zu erwarten hatten.

Ich geb’s ganz offen zu, in manchen Dingen bin ich ein kleiner Angsthase! Früher war mir das peinlich, mittlerweile seh ich das aber ganz entspannt. Dass man sich ab und zu mal zu was überwinden muss ist klar, aber wenn mir schon beim Gedanken an etwas komplett unwohl wird und ich mich dabei nicht wohl fühle, dann lass ich es einfach. Warum auch nicht? Schließlich hab iches ja selbst in der Hand und ich finde, ich habe es verdient, mich wohlzufühlen. Eines der Dinge sind die Roller hier in Thailand, mit denen ich nur ungern unterwegs bin, wenn die Straße nass sind. Das Profil der Reifen ist häufig schlecht, die Straßen sandig und, naja, nennen wir es gewöhnungsbedürftig und spannend, denn Schlagöcher und Äste auf der Fahrbahn sind keine Seltenheit. Dazu dann noch der Linksverkehr… Und ganz ehrlich: Spaß hat man auch keinen, wenn über dir die Wolken raus hauen, was geht und du schon damit beschäftigt bist, überhaupt nur die nächste Kurve zu erkennen. Also war klar, der Plan mit dem Roller fällt zumindest für die ersten Tage flach.

Interessanterweise hab ich genau zu dieser Zeit einen Facebook-Beitrag der Läuferin Sabrina Mockenhaupt gelesen, der mich schwer beeindruckt hat. Sie schreibt über eine alte, chinesische Geschichte die zeigt, dass Glück und Pech oft sehr nah beieinander liegen und alles oft anders wird, als es anfangs noch scheint. Mich hat die Geschichte so berührt, dass ich sie gerne mit euch teilen möchte:

Glück oder Pech?

Eine chinesische Geschichte erzählt von einem alten Bauern, der ein altes Pferd für die Feldarbeit hatte. Eines Tages entfloh das Pferd in die Berge, und als alle Nachbarn des Bauern sein Pech bedauerten, antwortete der Bauer: „Pech? Glück? Wer weiß?“

Eine Woche später kehrte das Pferd mit einer Herde Wildpferde aus den Bergen zurück, und diesmal gratulierten die Nachbarn dem Bauern wegen seines Glücks. Seine Antwort hieß: „Glück? Pech? Wer weiß?“

Als der Sohn des Bauern versuchte, eines der Wildpferde zu zähmen, fiel er vom Rücken des Pferdes und brach sich ein Bein. Jeder hielt das für ein großes Pech. Nicht jedoch der Bauer, der nur sagte: „Pech? Glück? Wer weiß?“

Ein paar Wochen später marschierte die Armee ins Dorf und zog jeden tauglichen jungen Mann ein, den sie finden konnte. Als sie den Bauernsohn mit seinem gebrochenen Bein sahen, ließen sie ihn zurück. War das nun Glück? Pech? Wer weiß?

Was an der Oberfläche wie etwas Schlechtes, Nachteiliges aussieht, kann sich bald als etwas Gutes herausstellen. Und alles, was an der Oberfläche gut erscheint, kann in Wirklichkeit etwas Böses sein. Wir sind dann weise, wenn wir Gott die Entscheidung überlassen, was Glück und was Unglück ist; wenn wir ihm danken, dass für jene, die ihn lieben, alles zum Besten gedeiht.

Ist es nicht so, dass wir uns selbst viel zu oft bemitleiden und in vielem, was uns geschieht, nur das Negative sehen, wohingegen uns alles, was anderen geschieht, viel besser, toller, großartiger vorkommt? Oft fragt man sich doch insgeheim, warum den anderen immer nur Gutes wiederfährt und sie immer Glück haben, dabei hätte man es selbst doch viel mehr verdient. Leider vergessen wir aber, dass es oft nur auf die Art und Weise ankommt, mit der wir die Dinge betrachten.

Ändere die Art, mit der du Dinge ansiehst, dann ändern sich die Dinge, die du ansiehst. (gelesen auf einer Postkarte, nur hängt die daheim, deshalb weiß ich nicht genau, von wem das ist. Wird aber nachgereicht.)

So ist es auch mit unserem Regenwetter auf Koh Chang. Klar könnten wir Trübsal blasen und schlechte Laune schieben, denn unser Plan, die Insel auf eigene Faust zu erkunden, ist ja im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen. Aber ist es Glück? Ist es Pech? Man weiß es nicht!

Wir haben es als eine Fügung des Schicksals gesehen, denn so waren wir dazu gezwungen, auch mal einen Gang runter zu schalten und uns für Dinge Zeit zu nehmen, die im hektischen Alltag inmitten von Überstunden, Hausarbeit und sonstigen Verpflichtungen viel zu kurz kommen. Und eins sag ich euch – es ist trotz allem mal wieder richtig geil, einfach nur ein paar Tage faul zu sein! Auch wenn uns von allen Seiten vorgelebt wird, dass man mit Power durch’s Leben gehen und so viel wie möglich sehen muss, müssen wir uns ab und zu eine Auszeit gönnen, auch wenn man das oft (leider)  nur tut, wenn man dazu gezwungen wird.

Die Ruhe, die ich hier erfahren und mir dann auch ganz bewusst, gegönnt habe, war so dermaßen erholsam und einfach nur geil, dass ich für mich beschlossen habe, auch zu Hause, zurück im Alltag, nach einem Weg zu suchen, mir mehr Zeit für mich selbst zu nehmen und nicht immer nur zu versuchen, mit allen mitzuhalten, sondern auch ganz bewusst mal stehen zu bleiben und ihnen beim rennen zuzuschauen. Vielleicht probier ich es mal mit Yoga oder Pilates, vielleicht reichen mir aber auch einfach lange Spaziergänge oder jeden Tag eine Stunde bewusstes Nichtstun, wer weiß.

Habt ihr schon euren Weg gefunden, im Alltag auch mal einen Gang zurück zu schalten und habt Lust, mir davon zu erzählen?

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