Schluss mit dem Geiz: Wieso wir wieder mehr Wert auf hochwertige Lebensmittel legen sollten

Wisst ihr, was ich wirklich liebe? Den Geruch von frischem Brot. Kennt ihr das, wenn ihr früh morgens in eine Bäckerei geht, voller Vorfreude auf die leckeren Sonntagsbrötchen und euch schon an der Tür so ein herrlicher Duft nach Frischgebackenem entgegenweht? Eine freundliche Begrüßung durch die Mitarbeiter, vielleicht noch ein Blech voll mir heißen Croissants, die frisch aus der Backstube kommen… Ich liebe es, in unseren kleinen Bäckereien einzukaufen! Schade nur, dass es davon immer weniger gibt…

„Na und“, wird jetzt vielleicht der eine oder andere denken, „ich bekomm meine Brötchen doch auch bei den Bäckereiketten oder im Supermarkt und so schlecht sind die auch nicht.“ Mag sein und ich gebe zu, dass ich zu Beginn des „Pre-Beck“ Hypes auch des Öfteren zu Gebäck gegriffen habe, das im Discounter frisch aus dem Ofen geholt oder im Supermarkt schon portionsmäßig verpackt in der Auslage angeboten wurde. Für die Schnelle sicher ganz praktisch, mal hier ein Brötchen, mal da eine Salzstange.

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Eine kleine Brötchenauswahl von unserem Lieblingsbächer

Brot aus dem Backautomaten? Ist mir zu fad!

Nun hatte ich aber auch mal Lust auf Brot. Kein Problem, denn auch das gibt es frisch aus dem Automaten und das sogar in verschiedenen Sorten. Super Sache, man muss nur zur Tüte greifen, einpacken, fertig. Einfach so, während des Einkaufens. Es ist kein gesonderter Stopp beim Bäcker nötig und günstig ist es obendrein. Ich liebe es, einen frischen Laib Brot anzuschneiden. So herrlich frisch und aromatisch… Tja, die Freude war von kurzer Dauer, denn auch wenn das Brot ganz ok war, war es mir doch zu fad. Da fehlt das spezielle, das besondere, das die Backwaren einer jeden Bäckerei einzigartig macht. Das Brot der Discounter und Bäckereiketten schmeckt für mich nach Einheitsbrei, ohne Eigengeschmack.

Ob das gewollt ist? Werden wir absichtlich dazu erzogen, diese Mainstreem-Produkte zu konsumieren, damit sie austauschbar sind? Massenware, mit der möglichst viele Geschmäcker erschlagen werden, damit kann man ja eigentlich nichts falsch machen.

Massenware, die zum Opfer des Preiskampfes geworden ist

Ähnlich geht es uns mit der Wurst: Ein reichliches Angebot an verschiedensten Sorten, hübsch in Plastik verpackt, am besten noch mit einem bunten Aufdruck versehen. Käse, soweit das Regal reicht, einer günstiger als der andere. Massenware, die zum Opfer des Preiskampfes geworden ist. Aber nicht des Preiskampfes der Bauern, die die Milch oder das Fleisch liefern. Die meisten der kleinen Bauern können sich das doch gar nicht mehr leisten, denn was zählt, ist Masse. Möglichst viel Produkt für möglichst wenig Geld. Das ist er, der Preiskampf der Marktriesen und wir laufen alle brav mit.

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Selbstgebackenes Roggenbrot aus Bio-Mehl

Wir betanken unser Auto hochwertiger als unseren Körper

Ganz ehrlich Leute, für mich ist das nichts! Ich mach da nicht mit, bei dieser „Geiz ist geil“-Mentalität! Wir kaufen Lebensmittel für einen Spottpreis und freuen uns noch darüber, wie toll wir gespart haben, während wir bei unserem Auto darauf achten, es nur an Markentankstellen zu betanken und per Hand zu waschen, damit es auch schön lange hält und keine Kratzer bekommt. Nebenbei hören wir in den Nachrichten, dass immer mehr kleine Handwerksbäckereien schließen müssen, weil die Inhaber nichts mehr verdienen, weil sie das Personal nicht bezahlen können und es einfach nicht mehr rentabel ist. Und schimpfen… Auf die Politik, die an allem Schuld ist und auf die geizigen Bäcker, die sicher auch ihren Anteil dazu geleistet haben und darüber, dass die Vielfalt an Handwerksbetrieben, bei denen sie eh nie kaufen, langsam verschwindet.

Wir haben es in der Hand!

Da sag ich euch was: Wir haben es in der Hand! Es ist doch unsere Wahl, wo wir unsere Lebensmittel kaufen! Unsere Entscheidung, ob wir uns für billige Industrieprodukte oder hochwertige Handwerksware entscheiden! Ich persönlich möchte nicht wissen, wie hochwertig (oder auch nicht) die Zutaten sind, wenn ich beim Schnellkaufmarkt um die Ecke einen ganzen Laib Brot für unter einem Euro bekomme oder eine Packung Wurst für gerade mal 50 Cent… Was genau drin ist, weiß ich nicht, aber es lässt zumindest auf günstigste Zutaten, Geschmacksverstärker und Industrieware schließen, die in großen Mengen verarbeitet und dann je nach Produkt mit ein paar Körnern oder etwas Pfeffer angereichert wird, um zumindest den Anschein zu erwecken, unterschiedlich zu sein.

Mensch und Tier als Opfer des Billigwahns

Ich stelle mir öfter vor, wie wohl die Tiere leben müssen, die am Ende in den Billigprodukten landen. Schnell gemästet, auf kleinstem Raum eingepfercht und vorsorglich mit Antibiotika behandelt, damit sich unter ihnen keine Krankheiten ausbreiten. Kein Wunder, dass Hühnersuppe das Wundermittel gegen Erkältung ist – die Medikamente sind im Hühnchen ja schon drin!

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Mmmh, ein Blech voll mit herrlich-frischen Ciabatta-Brötchen

Wenn ihr mir nicht glaubt und jetzt denkt, dass das alles nur Hirngespinste einer Panikmacherin sind, dann bitte, informiert euch! Schaut euch in der ZDF Mediathek den Beitrag „Unser täglich Tier“ an. Nehmt euch die Zeit für „Food Inc.“, eine ganz tolle Dokumentation zu diesem Thema! Lest euch bei Utopia ein, da stoßt ihr zu, Beispiel auf diesen Beitrag: Massentierhaltung

Wir entscheiden, ob wir die Unternehmen darin unterstützen, die Preise für die Produkte immer weiter zu drücken, was sich ja im Umkehrschluss nicht nur auf deren Qualität und die Lebensbedingungen der Tiere, sondern auch auf die Bezahlung der Menschen auswirkt, die bei der Herstellung dieser Produkte helfen!

Ich stehe auf den Geschmack von Selbstgemachtem!

Ich steh auf den Geschmack von Familienrezepten, von selbstgemachtem Sauerteig und von hausgemachter Wurst. Denn das sind für mich Qualitätsprodukte! Raus aus dem Einheitsbrei und rein in das Geschmackserlebnis! Die Wochenenden sind deshalb für mich schon zu einem kleinen Highlight geworden, denn dann gibt es Wurst vom Metzger und frische Brötchen von einer unserer ortsansässigen Handwerksbäckereien.

Und da freu ich mich drauf, weil ich weiß, dass mich der Geschmack umhauen wird und wir so oft etwas Neues in der Auslage entdecken! Ich weiß, dass mit vernünftigen Produkten gearbeitet wird und jeder Betrieb seine ganz besonderen Spezialitäten hat. Ich weiß, dass ich guten Gewissens ein paar Cent mehr zahle als beim Billigladen, weil es mir das einfach wert ist. Denn ich investiere lieber in eine gesunde, hochwertige Ernährung als in Luxusgüter, mit denen ich dann Selfies auf Instagram hochlade. Klar, ein Selfie mit nem Brötchen oder nem Ring Stadtwurst kommt nicht so gut, aber das ist mir egal. Was die anderen von mir denken, ist mir in dieser Hinsicht schnuppe. Mein Körper und meine Gesundheit danken es mir und das merke ich jeden Tag!

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