Weihnachtsmärkte: Klein und fein vs. groß und pompös

Als ich bei „SOS Fernweh“ den Aufruf zur Blogparade „I love Weihnachtsmarkt“ gesehen habe, dachte ich mir „Boah genial, da mach ich mit! Ich war ja schon auf Weinachtsmärkten in Prag, München, Salzburg, Heidelberg, Hamburg, Nürnberg und vielen mehr! Da gibt es schon jede Menge zu erzählen!“ Ja, das stimmt sicherlich. Aber als ich dann genauer darüber nachgedacht habe, ist mir aufgefallen, dass es nicht die großen Weihnachtsmärkte sind, die mich begeistern. Viel schöner finde ich die kleinen, gemütlichen. Warum? Das erzähl ich euch gerne:

Nürnberger Christkindlmarkt – nicht mein Fall!

Ich wohne in Forchheim, einer 30.000 Einwohner Stadt im schönen Oberfranken. Nürnberg mit seinem berühmten Christkindlmarkt ist gerade mal eine halbe Stunde entfernt und für viele ist das ja der Weihnachtsmarkt schlechthin: Das Christkind, die klassischen Nürnberger Lebkuchen, Zwetschgenmännchen, Glühwein, jede Menge Glitzer und Glitter und im Hintergrund die Burg, die das Geschehen von der Anhöhe aus beobachtet. Tja, nur ist dieser Weihnachtsmarkt für mich schon ein Graus, solange ich denken kann! Klar, er ist sehenswert und einmal muss man schon da gewesen sein. Mein letzter Besuch ist allerdings schon4 oder 5 Jahre her, weil der Markt für mich nichts Besonderes an sich hat. Er ist völlig überlaufen (klar, die Nürnberger müssen ja auch irgendwo hin und das sind nun mal ein paar mehr als wir Forchheimer), man kann kaum eine Tasse Glühwein trinken, ohne von allen Seiten geschubst zu werden und an den meisten Ständen wird – meiner Meinung nach – nur überteuerter Kitsch verkauft, den man überall anders auch bekommen kann.

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Der gigantische Weihnachtsbaum auf dem Weihnachtsmarkt in Prag

Ich liebe es, gemütlich eine Tasse Glühwein zu trinken und das Geschehen zu betrachten

Bevor es jetzt böse Kommentare von Christkindlmarkt-Fans hagelt: Ja ich weiß, so geht es einem mittlerweile auf fast jedem Weihnachtsmarkt und genau das finde ich sehr schade! Für mich ist die Adventszeit eine Zeit des Leuchtens, der Ruhe und der gemütlichen Tage. Ich liebe es, mich mit Freunden auf einem Weihnachtsmarkt zu treffen, gemütlich eine Tasse Glühwein zu trinken und selbstgemachte Kleinigkeiten an den Ständen zu bewundern. Da kaufe ich dann auch gerne, denn das sind besondere Dinge, die oft eine kleine Geschichte mitbringen: Die Marmelade, die zu Hause liebevoll gekocht und mit Gewürzen abgeschmeckt wurde oder die Deko-Sterne, von denen jeder ein bisschen anders aussieht, weil sie eben nicht industriell gefertigt wurden, sondern weil sich liebe Menschen schon wochenlang Tag für Tag mit den Bastelarbeiten für diesen Weihnachtsmarkt beschäftigen. Kleine Besonderheiten, die ich nicht überall bekomme, sondern nur auf diesen kleinen Märkten.

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Auf dem altertümlichen Weihnachtsmarkt an der heidelberger Burgruine geht es etwas ruhiger zu als auf den großen Weihnachtsmärkten in der Innenstadt

Kleine Weihnachtsmärkte – ein Stück Tradition

Und es gibt sie zum Glück noch, die kleinen Weihnachtsmärkte. Mittlerweile finden sie hauptsächlich auf den Dörfern statt und dann meist auch nur an einem Wochenende im Advent, aber das ist auch völlig ausreichend! Ich finde es immer wieder toll, wie sich die Einwohner engagieren, um dieses kleine Stück Tradition am Leben zu halten! Wenn ich dann durch die Stände schlendere, ist das für mich das richtige Adventsgefühl: Ich hab Zeit, ich werde nicht gedrängt, kann gemütlich gucken und finde sogar noch das eine oder andere kleine Weihnachtsgeschenk. Auch die Tasse Glühwein danach kann ich in Ruhe trinken, mich dabei mit Freunden in gemütlicher Runde unterhalten und dabei den Geruch von frischen gebrannten Mandeln und Bratwürsten, die auf dem Rost vor sich hin brutzeln, genießen.

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Selbstgebastelte Weihnachtsdeko auf dem Weihnachtsmarkt in Eggolsheim

Diese Tage nehmen für mich die Hektik aus dem Alltag, denn dort habe ich Zeit: Zeit, um zu gucken, Zeit, um zu genießen. Da habe ich dazu gelernt, denn früher wollte ich möglichst viel: Viele Weihnachtsmärkte sehen, je größer desto besser. Die kleinen haben nicht ausgereicht, denn wer will schon nach Hinterdupfing, wenn er dafür den Weihnachtsmarkt in München sehen kann? Dass die Anreise Stress ist, stundenlang im Zug sitzen und sich mit tausenden von Touristen in die U-Bahn quetschen, darüber konnte ich hinweg sehen. Schließlich hatte ich dann ja was zu berichten und hab etwas gesehen, dass man nicht jeden Tag hier um die Ecke zu Gesicht bekommt. Schubsende, drängelnde Menschen, 08/15 Glühwein und einen Tag, der eigentlich nur daraus bestand, von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit zu hetzen, hab ich da gerne in Kauf genommen. Wie dumm ich war!

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Der Kuchlbauer-Weihnachtsmarkt in Abensberg besticht durch die wunderschöne Hundertwasser-Kulisse

Versteht mich nicht falsch, ich will keinen verurteilen, dem so etwas gefällt. Es gibt sicher Menschen, die genau für so etwas gemacht sind, die sich in der Menge wohl fühlen und für die nicht genug los sein kann. Ich bin das nicht und ich bin froh, dass ich das jetzt gelernt habe! Seitdem kann ich den Advent genießen, denn auch für mich ist es jetzt die Zeit der Ruhe geworden, in der man einfach mal einen Gang runter schalten und genießen darf: Ob beim gemütlichen Adventsfrühstück, bei einem Spaziergang durch die mit glitzernder Beleuchtung geschmückten Straßen oder bei einem Bummel über einen Weihnachtsmarkt.

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In Forchheim verwandelt sich das Rathaus zur Adventszeit in den wohl schönsten Adventskalender der Welt

Aber jetzt möchte ich euch natürlich noch erzählen, was bei mir unbedingt dazu gehört, wenn ich auf einem Weihnachtsmarkt bin und das sind natürlich in erster Linie die kulinarischen Köstlichkeiten, die da so geboten werden:

Glühwein

Ein absolutes Muss – ich glaube, für so ziemlich jeden! Besonders mag ich aber Winzerglühwein oder Glühwein aus eigener Kelterei. Warum? Na, der Industrie-Glühwein schmeckt meist überall gleich und ist unwahrscheinlich pappig und süß. Schaut man sich bei kleineren Buden um, die selbstgemachten Glühwein oder Punsch ausschenken, wird man häufig ganz positiv überrascht: Man schmeckt die Aromen, merkt die Unterschiede von einem Glühwein zum anderen und vor allem, er ist nicht so penetrant süß! Ich hatte in diesem Advent erst einen ganz tollen alkoholfreien Apfelglühwein, auch selbst gemacht. Lecker, sag ich euch! Und absolut trinkbar, ohne dass es mir den Magen verklebt.

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Beleuchtete Krippen gehören ebenso zur Adventszeit wie gebrannte Mandeln und duftender Glühwein

Bratwurst

Ich weiß auch nicht warum, aber die Kombination aus heißem Glühwein und frisch gebratener Bratwurst gehört für mich einfach zum Weihnachtsmarkt dazu. Vielleicht liegt es am Kontrast zwischen Süß und Herzhaft, vielleicht auch daran, dass beides ganz toll von innen wärmt. Am liebsten mag ich die groben Bratwürste, denn die sind meist richtig schön aromatisch und saftig, vor allem, wenn sie von regionalen Metzgern kommen.

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Für mich gibt es nichts schöneres, als in der Vorweihnachtszeit durch die beleuchteten Straßen zu laufen

Heiße Maroni

Mein absolutes Highlight am Weihnachtsmarkt! Leider findet man sie nicht überall, aber wahrscheinlich sind sie genau deswegen für mich etwas Besonderes. Schon der Geruch nach den gebackenen Kastanien – mmmh! Irgendwie versetzt mich das immer in die Vergangenheit, wenn der Maroni-Mann die Kastanien im Ofen röstet, mit einer kleinen Schaufel in eine Papiertüte füllt und diese dann an seine Kunden gibt. Zwar verbrennt man sich anfangs oft die Hände beim schalen abpulen, aber wenn man den Dreh dann mal raus hat und die Maroni in der richtigen Temperatur sind, sind sie einfach nur ein Traum!

Wie steht ihr zu der Weihnachtsmarkt-Frage – eher klein und fein oder groß und mit möglichst viel Trubel? Und was darf bei euch auf keinen Fall fehlen?

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