Ayutthaya – Siams alte Königsstadt

Schon die Anreise nach Ayutthaya ist ein Erlebnis, denn wir haben uns dafür entschieden, diese auf eigene Faust mit dem Zug zu bestreiten. Die Kleinstadt liegt lediglich 70 km nördlich von Bangkok, kann ja also nicht so schwer sein… Ist es auch nicht, denn die Mitarbeiter am Bahnhof Hua Lamphong in Bangkok können zwar mehr schlecht als recht Englisch, sie haben sich aber mit ausgedruckten Plänen und Tafeln mit Reisezeiten prima auf uns Touris vorbereitet. Wir entscheiden uns für eine Fahrt mit der dritten Klasse, das Ticket kostet gerade mal 20 Bath. Laut Fahrplan müssen wir uns afu eine Fahrt von etwa 1,5 – 2 Stunden einstellen. Dass das nicht so ganz klappt, merken wir schon, ehe wir Bangkok verlassen…

Pünktlichkeit in Thailand – ein Thema für sich

In den Slums am Rande der Millionenstadt strandet unser Zug zum ersten Mal für etwa 45 Minuten. Anfangs ist es interessant, das bunte Treiben auf den Straßen zu beobachten: Menschen, die auf den Straßen geschäftig umher huschen, ihre Besorgungen erledigen und Ordnung machen vor ihren selbstgezimmerten Hütten aus Holzresten und Wellblech. Wieder beobachte ich das, was mir hier schon so oft aufgefallen ist: Die Thais haben nicht viel an Besitz, dafür eine wahnsinnig große Lebensfreude. Sie wirken einfach mit dem zufrieden, was sie haben und freuen sich über die kleinen Dinge: Ein Essen mit Freunden und Familie, einen freundlichen Blick, eine anerkennende Geste, wenn uns Touristen das Essen an ihren Garküchen schmeckt. Davon sollten wir uns definitiv eine Scheibe abschneiden und uns in unserer konsumorientierten Welt mehr darauf besinnen.

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Ein Teil des Abteils ist für Mönche, ältere Personen oder Menschen mit Handycap reserviert

Aber zurück zum Thema: Die dritte Klasse ist kein eigenes Abteil im Zug, wie wir vermutet hatten – sie ist ein eigener Zug. Hier sitzt man auf einfachsten Holzbänken, ohne Armlehne, ohne Komfort. Glas in den Fenstern gibt es nicht, lediglich ein Holzrollo schützt vor Sonne und Regen. Wo keine Fenster sind, da lohnt sich natürlich auch keine Klimaanlage. Aber auch hier wissen sich die Thais zu helfen: An das Dach des Abteils genagelte Ventilatoren sorgen für einen kleinen Luftzug. Abenteuerlich, so eine Reise mit der dritten Klasse 😉

400 Jahre strahlende Hauptstadt Siams

Nach etwa 2,5 Stunden erreichen wir unser Ziel, den Bahnhof von Ayutthaya. Von der Kleinstadt aus regierten die einstigen Herrscher über 400 Jahre lang das Königreich Siam, bis sie im Jahr 1767 von den Burmesen fast komplett zerstört wurde. Dies war Bangkoks Geburtsstunde als neue Königsstadt und Hauptstadt Siams. Ayutthaya hingegen blieb als verschlafenes Städtchen weitab von all dem Trubel zurück. Seit 1991 gehört die Stadt zum UNESCO-Weltkulturerbe und auch heute noch können Besucher aus aller Welt die Ruinen der einstigen Königsstadt bestaunen und den einstigen Glanz der Stadt nachempfinden.

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Per Boot überqueren wir den Fluss in Richtung Ayutthaya

Wir verlassen den Bahnhof und überqueren die Straße. Immer den anderen Besuchern nach gelangt man rasch zu einer Fähre, mit der der Fluss überquert werden muss. Die Überfahrt kostet 4 Bath, also kaum der Rede wert. Beachten sollte man hier aber die landestypischen Gepflogenheiten und Mönchen, welche hier häufig zu sehen sind, immer den Vortritt lassen.

Mit dem Rad durch Ayutthaya

Ayutthaya war nicht nur eine Tempelanlage, sondern einstige Königsstadt – dementsprechend sind auch die Ruinen über die komplette Stadtfläche verteilt. Gleich auf der anderen Seite des Flusses leihen wir uns an einem der zahlreichen Stände für etwa 30 – 40 Bath ein Fahrrad. Wichtig: Lasst euch immer ein Schloss dazu geben, denn als Pfand müsst ihr euren Ausweis abgeben und solltet deshalb tunlichst darauf achten, die Räder wieder unbeschädigt zurückzubringen. Unsere Räder haben ein kleines Körbchen am Lenker, in dem wir unsere Wasserflaschen deponieren können. Zusätzlich gibt es eine Karte der Tempelanlage, die uns die nette Dame so an unseren Lenkern befestigt, dass wir sie während der Fahrt lesen können. Ebenfalls hat sie uns gleich einige der Sehenswürdigkeiten so markiert, dass wir quasi eine kleine Route vorgegeben haben und nicht ganz so planlos unterwegs sind, wie wir scheinbar aussehen 😀  So ausgestattet machen wir uns auf, die ehemalige Hauptstadt Siams zu entdecken!

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Mit Plan und Fahrrad kann die Tour durch Ayutthaya starten!

Während wir auf unseren Rädern die ersten Ruinen passieren, die mitten in der Stadt zwischen den normalen Häusern aus dem Boden ragen, hat uns Ayutthaya augenblicklich in seinen Bann gezogen! Die Geschichte von früher integriert in das Stadtbild von heute wirkt so faszinierend auf uns, dass wir fast ein bisschen traurig sind, die Blütezeit der ehemaligen Metropole verpasst zu haben.

Wat Mahathat, der ehemalige Haupttempel

Einer unserer ersten Stops ist der Wat Mahathat, der ehemalige Haupttempel, der wohl um 1380 erbaut wurde. Wie in den meisten Tempeln und Sehenswürdigkeiten kostet der Eintritt in die Tempelanlage etwa 50 Bath. Die umgerechnet 1,25 Euro sind aber gut investiertes Geld, denn die weitläufige Tempelanlage ist wirklich beeindruckend. Wie auch all die anderen Anlagen wurde der Wat Maha That nach der Zerstörung durch die Burmesen nicht wieder aufgebaut. Anhand der zahlreichen Türmchen und der Ruinen der Mauern und des zentralen Turms (Prangs) in der Mitte der Anlage kann man sich aber die Größe und Pracht des Tempels ausmalen. Hier stoßen wir auch auf eine der wohl bekanntesten Sehenswürdigkeiten Ayutthayas: Der Buddha-Kopf im Baum, ein weit bekanntes Foto- und Postkartenmotiv. Auf Thaizeit.de findet ihr auch eine schöne kleine Legende zu diesem heiligen Baum.

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Buddha-Kopf im Banyan-Tree

Wat Phra Si Sanpeth inmitten des großen Palasts

Natürlich müssen wir auch den bedeutendsten Tempel des alten Ayutthaya besuchen: Den Wat Phra Sri Sanpeth (oder Wat Phra Si Sanpeth), der sich innerhalb der Mauern des großen Palasts befand. Uns stechen hier natürlich gleich die drei Chedis ins Auge, die den Mittelpunkt der Anlage bilden und von der Bauart an eine Glocke erinnern. Findet ihr es nicht auch beeindruckend, dass diese gigantischen Bauwerke wohl irgendwann um 1450 erbaut wurden? Mit unseren heutigen Maschinen und Möglichkeiten wäre das ja gar kein Problem. Vor mehr als 550 Jahren waren die Möglichkeiten aber noch ganz andere und von unseren heutigen Kranen und Baggern konnten die Menschen damals nur träumen. Für mich immer wieder faszinierend, dass trotzdem solche Bauwerke zustande gekommen sind.

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Die Chedis des Wat Phra Si Sanphet

Achtung, heiß!

Eins sag ich euch, so schön der Sonnenschein und der strahlend blaue Himmel auch auf den Fotos aussehen, so anstrengend ist dieses Wetter bei einem Besuch der alten Königsstadt! Zwischen den Ruinen bieten sich kaum Möglichkeiten, um Schatten zu finden. Da freut sich die hellhäutige Katja bei gefühlten 35°C Grad im Schatten… Selbst die Straßenhunde haben sich nicht mehr vom Fleck bewegt, wenn sie doch mal ein schattiges Plätzchen unter einem Baum gefunden hatten 😀  Also macht es schlauer als ich und nehmt euch irgendeine Kopfbedeckung mit – unbedingt!

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Lecker Suppe mit Hühnchen und Nudeln

Nahe der Anlagen gibt es aber zum Glück auch reichlich Möglichkeiten für eine kleine Pause und wer nicht gleich beim erstbesten Stand vor den Tempeln Getränke und Süßigkeiten zu überteuerten Preisen kauft, der wird in den Straßen Ayutthayas die eine oder andere kleine Thai-Küche finden, in der wahnsinnig leckere, authentische Gerichte serviert werden.

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In der einstigen Königsstadt Siams mangelt es nicht an Fotomotiven

Na, hast du jetzt auch Lust auf Ayutthaya? Ich kann dir einen Besuch der alten Königsstadt wirklich sehr ans Herz legen! Im Vergleich zu den Tempeln in Bangkok direkt ist das Touristen-Aufkommen hier sehr gering, wahrscheinlich, weil sich die Besucher gut über die weitläufigen Anlagen verteilen. Bis auf die eine oder andere Top-Sehenswürdigkeit (wie z. B. den Buddha-Kopf im Baum) kann man die Tempel größtenteils in Ruhe genießen und so natürlich auch den einen oder anderen tollen Schnappschuss machen.

Wie eigentlich unser gesamter Thailand-Trip war auch der Besuch in Ayutthaya relativ spontan und ungeplant. Für uns eine super Sache, weil wir so jeden Tag aufs Neue entscheiden konnten, worauf wir Lust haben. Wenn du aber spezielle Sehenswürdigkeiten in Ayutthaya sehen möchtest, wie zum Beispiel den Wat Lokaya Sutha mit dem liegenden Buddha, dann solltest du dir vorab einen Plan der Königsstadt anschauen und eine Route festlegen. So ganz ohne Plan kannst du hier nämlich unglaubliche Strecken zurück legen.

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Ein Elefant auf offener Straße – keine Seltenheit in Ayutthaya

Lesenswertes rund um Ayutthaya

Einige Übersichten über weitere Sehenswürdigkeiten, Tempel und alternative Anreisen nach Ayutthaya findest du noch auf folgenden Seiten:

Faszination Südostasien

Tipps-Thailand

Thailand-Spezialisten

Ayutthaya-History (englisch)

Ganz toll soll auch der Sonnenuntergang in Ayutthaya sein. Wir waren allerdings so kaputt, dass wir kurz vorher den Rückweg angetreten sind. Weniger stressig ist es natürlich, wenn du deinen Ayutthaya-Trip auf zwei Tage ausdehnst und die Stadt ganz in Ruhe erkundest. Übernachtungsmöglichkeiten in allen Preisklassen findest du bei Agoda*. Wir haben damit während unseres Thailand-Aufenthalts durchweg gute Erfahrungen gemacht und konnten immer ein paar Euro günstiger buchen als bei anderen Websites.

Warst du schon einmal in Ayutthaya? Wie hat es dir gefallen?

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